Der Anstoß kam von einer einzelnen Person
Manchmal bringt ein einzelner Mensch eine Sache ins Rollen. Bei uns war es eine sehbehinderte Nutzerin, die mit Hermes 3000 schreiben möchte. Diese eine, konkrete Anfrage hat mehr bewegt als jede abstrakte Checkliste: Plötzlich ging es nicht mehr um „sollte man mal machen", sondern um „dieser Mensch will jetzt unser Werkzeug benutzen – und kann es teilweise nicht".
Also haben wir uns drangesetzt. Und gleich vorweg: Wir sind nicht fertig. Aber wir sind ein gutes Stück weiter, und wir möchten transparent sein – über das, was geht, und über das, was noch nicht geht.
Was wir verbessert haben
Barrierefreiheit ist nichts Abstraktes. Sie entscheidet sich an ganz konkreten Stellen:
- Tastaturbedienung: Alle Dialoge lassen sich vollständig mit der Tastatur bedienen, mit Esc schließen, und der Fokus bleibt im Dialog statt dahinter zu verschwinden – und kehrt beim Schließen dorthin zurück, wo man war. Das klingt klein, ist aber für Menschen, die keine Maus nutzen, der Unterschied zwischen „benutzbar" und „verloren".
- Screenreader: Formularfelder sind jetzt mit ihren Beschriftungen verknüpft, Schaltflächen haben aussagekräftige Namen, und Fehler- sowie Statusmeldungen werden angesagt – nicht nur farblich angezeigt.
- Struktur und Sprache: Überschriften und Bereiche sind sauber ausgezeichnet, und die Seitensprache wird korrekt gesetzt, damit Vorleseprogramme richtig betonen.
Die ehrliche Wahrheit: Barrierefreiheit ist nie „fertig"
Es wäre einfach, hier einen Haken zu setzen und „barrierefrei" draufzuschreiben. Aber das wäre nicht wahr – und Ehrlichkeit ist uns wichtiger als ein Etikett.
Einige Bereiche sind noch nicht vollständig zugänglich, und wir benennen sie offen:
- Unser Schreib-Editor ist die größte Herausforderung. Ein formatierter Text-Editor vollständig für Screenreader nutzbar zu machen, ist technisch anspruchsvoll – die Grundbedienung funktioniert, fortgeschrittene Funktionen noch nicht durchgängig.
- Einige Funktionen setzen noch auf Maus-Bedienung (etwa das Umsortieren per Ziehen). Eine Tastatur-Alternative ist in Arbeit.
- Eine systematische Kontrastprüfung über alle Ansichten und den Dunkelmodus steht noch aus.
- Eingebettete Inhalte Dritter (z. B. Videos) können wir nicht selbst barrierefrei garantieren.
Niemand mit einem ehrlichen Blick wird eine komplexe Schreib-App auf einen Schlag zu hundert Prozent barrierefrei machen. Der richtige Weg ist nicht, das zu behaupten, sondern transparent zu zeigen, wo man steht – und kontinuierlich besser zu werden.
Wo wir stehen – und wie du uns hilfst
Hermes 3000 ist heute teilweise konform mit WCAG 2.1 AA, dem internationalen Standard für barrierefreie Web-Anwendungen. Den ehrlichen Detailstand haben wir in einer Erklärung zur Barrierefreiheit festgehalten – inklusive der offenen Punkte oben.
Das Wichtigste: Sag uns, wenn etwas im Weg steht. Wenn dir eine Barriere auffällt oder du Inhalte in einer zugänglichen Form brauchst, schreib uns an support@hermes3000.ai oder über das Feedback-Werkzeug im Editor. Jede Rückmeldung von echten Nutzerinnen und Nutzern bringt uns schneller voran als jede Theorie.
Warum uns das wichtig ist
Ein Buch zu schreiben ist eine der ermächtigendsten Sachen, die ein Mensch tun kann. Es sollte niemandem verwehrt sein, weil ein Knopf nicht erreichbar oder ein Feld nicht beschriftet ist. „Offen für alle" ist kein Marketing-Spruch für uns, sondern eine Arbeitsanweisung – an der wir uns gerne messen lassen.